Franz Heinrich Krey †

Franz Heinrich Krey †
Kreisvorsitzender a.D., Bundestagsabgeordneter a.D.

Über eine Ausnahmepersönlichkeit wie Franz Heinrich Krey, sein Leben und Wirken zu schreiben und dies seinen Leistungen annähernd angemessen zu tun, ist schier unmöglich.

Gerade für jemanden wie mich, der ihn nur in den vergangenen achteinhalb Jahren, also weit nach seiner aktiven politischen Tätigkeit erlebt hat, fällt die Einordnung seiner  Leistungen aus parteipolitischer Sicht naturgemäß schwer. Natürlich wäre es ein Leichtes, all seine Funktionen und Lebensstationen chronologisch aufzuführen und so zu tun, als ob dies entscheidend für Franz Heinrich Krey gewesen wäre.

Das würde ihm aber in keiner Weise gerecht werden. Er war so viel mehr als der ehemalige Bundestagsabgeordnete, so viel mehr als der Ehrenbürger Bergisch Gladbachs, so viel mehr als unser CDU-Ehrenkreisvorsitzender: Er war schlicht und ergreifend ein wunderbarer Mensch!

Bis zuletzt war er seiner CDU verbunden, nahm an ihren Veranstaltungen und Vorstandssitzungen teil, sofern es sein immer noch voller Terminkalender zuließ.

Am 6. März noch diskutierte der gläubige Katholik voller Eifer in der Sitzung  unseres erweiterten Kreisvorstands mit dem Kreisdechanten Norbert Hörter über das Thema „Christen in Kirche, Politik und Gesellschaft“. Hier ging es ihm vor allem darum, Kirche und Seelsorge wieder näher an die Menschen heran zu bringen. Oder nur zwei ­ Wochen später, am 21. März, als sich Stephan ­ Santelmann dem Vorstand als Landratskandidat vorstellte, ergriff Krey in Santelmanns Abwesenheit das Wort, hielt ein flammendes Plädoyer und rief alle Vorstandsmitglieder mit Verweis auf seine langjährige Erfahrung zur Unterstützung „dieses tollen Kandidaten“ auf. Er hätte das nicht tun müssen. Aber es war ihm eine Herzensangelegenheit. ­ Hätte er das Gefühl gehabt, Kritik äußern zu müssen, hätte er es getan – mit klugen Argumenten, in einem verbindlichen Ton und einer bemerkenswerten Fähigkeit zur Selbstironie, die nicht nur mich beein­ druckte.

Das letzte Mal sah ich ihn am 29. April. Bereits schwer von seiner Erkrankung gezeichnet, ging er an meinem Arm die Treppen zum Bocker Saal im Wirtshaus am Bock hin­ auf. Die Worte aus dem lächelnden Mund: „Herr Frank, bei so etwas Tollem muss ich doch dabei sein!“, werde ich wohl nie vergessen. Holger Müller begleitete seinen Freund durch den Saal in die erste Reihe, wo Krey der Veranstaltung mit Horst Seehofer und Armin ­ Laschet verfolgte. Nur wenige Tage später, am 10. Mai war Franz Heinrich Key tot.

Franz Heinrich Krey war ein Macher. Das „Reden um den großen Brei“ lag ihm fern. Bei den Vorbereitungen der Feierlichkeiten zu seinem achtzigsten Geburtstag im großen Saal des Bergischen Löwen hatte er präzise Vorstellungen über den Rahmen, den Ablauf und alle Details, die mit der Vorbereitung einer so großen Veranstaltung verbunden sind. Er wusste, was er wollte und auch, was er nicht wollte. Er war dabei aber niemals verbissen, sondern im Gegenteil mit so viel Humor und scheinbarer Leichtigkeit unterwegs, dass ich als damals Anfang Dreißiger aus dem Staunen und ja, auch aus der Bewunderung für diesen Mann, nicht mehr herauskam.

Auch die Harmonie mit seiner lieben Frau Inge, die ich bei unseren diversen Gesprächen erlebte, war beinahe mit Händen zu greifen. Man hatte das Gefühl, dass sie. sich blind verstanden, sich bedingungslos gegenseitig unterstützten und dass sich dort zwei Liebende gefunden hatten, die füreinander bestimmt gewesen waren. Umso trauriger machte mich dann die Nachricht, dass Inge Krey nur einen Monat nach ihrem Mann, am 10. Juni, im Alter von achtzig Jahren verstorben war. Politisch hatte sich Krey 1949 der Jungen Union, 1952 auch der CDU angeschlossen. 1954 wurde er Kreisvorsitzender der JU (bis 1960), von 1956 bis 1961 war er Mitglied des Landesvorstands und des Deutschlandrats der Jungen Union, von 1961 bis 1964 deren Landesgeschäftsführer. Von 1964 bis 1966 war er stellvertretender, anschließend bis 1977 Landesgeschäftsführer der CDU Rheinland. Daneben war er von
1964 bis 1968 Stadtverbandsvorsitzender der CDU in Bergisch Gladbach. Von 1975 bis 1990 war er Kreisvorsitzender der CDU des Rheinisch-Bergischen Kreises. Am 3. Oktober
1976 wurde Franz Heinrich Krey Mitglied des Deutschen Bundestages. Er blieb es fünf Legislaturperioden hindurch bis ihm 1994 Wolfgang Bosbach folgte, der ihn
„sein Vorbild“ nennt. Von 1984 bis 1989 war Franz Heinrich Krey ehrenamtlicher Bürgermeister seiner Heimatstadt Bergisch Gladbach, die ihn 1999 wegen „seines großen
Engagements auf vielen Feldern des kommunalen und bürgerschaftlichen Lebens“ die Ehrenbürgerschaft verlieh.

Wir verneigen uns in Dankbarkeit vor dem Leben, Schaffen und Wirken eines großen Christdemokraten, eines Volksvertreters im allerbesten Wortsinne und einer beeindruckenden Persönlichkeit, deren Rat wir schmerzlich vermissen werden. Seine Bürgernähe, sein unermüdlicher Einsatz für den Zusammenhalt der CDU und der Bürgerschaft im Rheinisch-Bergischen Kreis waren für die Entwicklung unseres relativ kleinen Kreises zu einer der besten Adressen in Nordrhein-Westfalen von großer Bedeutung. Auch seiner lieben Frau Inge,
die für ihr vielseitiges ehrenamtliches Engagement mit der Goldenen Ehrennadel des Kreises ebenso ausgezeichnet wurde wie mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, gilt unsere Dankbarkeit.

Unser Mitgefühl gehört den beiden erwachsenen Töchtern, die innerhalb eines Monats ihre beiden Eltern verloren haben.

Mögen Inge und Franz Heinrich Krey in Frieden ­ ruhen.

von Thomas Frank, Kreisgeschäftsführer 2008-2018, aus CDUinform 37