Fast jede Stunde ein Mensch Ziel antisemitischen Hasses

19.06.2026
Abgeordnete

Caroline Bosbach MdB: „Wer Antisemitismus in Deutschland bekämpfen will, darf vor keiner Erscheinungsform die Augen verschließen.“

Mehr als eine Verdreifachung innerhalb von drei Jahren, fast 24 antisemitische Vorfälle pro Tag und 68 Prozent der dokumentierten Vorfälle mit israelbezogenem Hintergrund: Der neue Jahresbericht des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) zeichnet ein alarmierendes Bild der Lage in Deutschland. Für das Jahr 2025 dokumentierte RIAS bundesweit 8.725 antisemitische Vorfälle. Die Zahl erreicht damit ein neues Rekordniveau.

Dazu erklärt die Bundestagsabgeordnete Caroline Bosbach:

„Fast jede Stunde wird in Deutschland ein Mensch Ziel antisemitischen Hasses. Die Zahl der dokumentierten Vorfälle hat sich innerhalb von nur drei Jahren mehr als verdreifacht. Wer angesichts dieser Entwicklung noch von Einzelfällen spricht, verschließt die Augen vor der Realität. Antisemitismus ist eine Bedrohung der Gegenwart.
Der 7. Oktober 2023 war nicht nur ein Einschnitt für Israel. Der barbarische Terrorangriff der Hamas war auch ein Wendepunkt für viele Jüdinnen und Juden in Deutschland. Seitdem erleben wir einen dramatischen Anstieg antisemitischer Vorfälle. Dass sich ihre Zahl innerhalb weniger Jahre mehr als verdreifacht hat, ist ein unüberhörbares Alarmsignal für unser Land.

Alarmierend ist auch, dass 68 Prozent der dokumentierten Vorfälle dem israelbezogenen Antisemitismus zugeordnet werden. Nichts, was im Nahen Osten geschieht, rechtfertigt Hass auf Jüdinnen und Juden in Deutschland.

Antisemitismus ist längst kein Randproblem mehr. Er begegnet Menschen auf der Straße, an Hochschulen, in Schulen, in sozialen Netzwerken und viel zu oft mitten im Alltag.

Wer Antisemitismus bekämpfen will, darf vor keiner Erscheinungsform die Augen verschließen. Er kommt von rechts, von links, aus islamistischen Milieus und zunehmend auch unter dem Deckmantel vermeintlicher Israelkritik. Wer nur auf einen Teil des Problems schaut, wird das Problem nicht lösen.

Deutschland trägt aufgrund seiner Geschichte eine besondere Verantwortung für den Schutz jüdischen Lebens. Diese Verantwortung darf nicht bei Gedenkveranstaltungen enden. Sie muss sich im Alltag beweisen – dort, wo Menschen bedroht werden, dort, wo Hass verbreitet wird, und dort, wo der Rechtsstaat konsequent handelt.
Mit dem Koalitionsvertrag haben Union und SPD den Schutz jüdischen Lebens und den Kampf gegen Antisemitismus zu einer zentralen Aufgabe gemacht. Dazu gehören ein entschlosseneres Vorgehen gegen Hasskriminalität, der Schutz jüdischer Einrichtungen sowie ein konsequenteres Handeln gegen antisemitische Hetze im digitalen Raum. Die aktuellen Zahlen zeigen: Wir dürfen hier keinen Schritt zurückweichen.
Wer Juden angreift, greift die Freiheit unseres Landes an. Jüdisches Leben muss überall in Deutschland sichtbar, frei und sicher sein. Daran entscheidet sich, ob wir unserem Anspruch als offene und freiheitliche Gesellschaft gerecht werden.“

Hintergrund:

RIAS erfasst antisemitische Vorfälle über ein bundesweites Netzwerk von Meldestellen. Dokumentiert werden sowohl strafrechtlich relevante Vorfälle als auch antisemitische Anfeindungen unterhalb der Strafbarkeitsschwelle.

68 Prozent der dokumentierten Vorfälle wurden dem israelbezogenen Antisemitismus zugeordnet. 27 Prozent aller dokumentierten Vorfälle ereigneten sich im Internet. 43 Prozent aller dokumentierten Bedrohungen wurden online registriert. RIAS dokumentierte 1744 Versammlungen mit antisemitischen Vorkommnissen. Das sind rechnerisch knapp 34 pro Woche.